Warum der Vorsitzende nicht zurücktreten soll

Den Dresdner Tafel e. V. erreichen derzeit viele positive Stimmen und viele Wünsche für eine schnelle Beruhigung der aufgeheizten öffentlichen Berichterstattung. Darunter vertreten sind auch Meinungen, die einen Rücktritt des Vorsitzenden oder das Ruhenlassen der Vorstandsarbeit empfehlen.

Wir – Anja Hoke und Andreas Schönherr nahestehende Vereinsmitglieder und Mitarbeiter in vielerlei Verantwortung bei wichtigen und weniger wichtigen Betriebsabläufen – haben uns dazu beraten und die Entscheidung getroffen, den Vorsitzenden zu bitten, den Ratschlägen nicht zu folgen.

Die Gründe dafür wollen wir gern offenlegen:

  • der Vorsitzende hat mit der Bereitschaft im Mai 2015 sich zur Wahl zu stellen die öffentliche Beschädigung des Ansehens seiner Person für die Rettung der Dresdner Tafel in Kauf genommen für den Fall, dass die Abwendung der Insolvenzlage scheitert; die Zahlen 80.000 EUR Schulden und 8.000 EUR Kostenunterdeckung waren kurz zuvor in etwa bekannt geworden.
  • der Vorsitzende hat in 18 Monaten mehrfach auf unkonventionelle Art und Weise Menschen in Not geholfen, bei schwierigen individuellen Lebenslagen neue Perspektiven ermöglicht oder auch einfach nur Mitarbeiter der Dresdner Tafel zu neuem Selbstwertgefühl verholfen. Dafür und nur dafür erbat er unter Zustimmung der anderen beiden Vorstandsmitglieder sowie weiterer nahestehender Vereinsmitglieder und Mitarbeiter Darlehen des Dresdner Tafel e. V. auf seinen Namen, da eine Darlehensrückzahlung des von ihm verantworteten haftungsbeschränkten Unternehmens ggf. einmal stärker in Zweifel gezogen würde. Die Darlehen waren unter den ihm nahestehenden Vereinsmitgliedern und Mitarbeitern bekannt und vor der öffentlichen Berichterstattung von einer wachsenden Anzahl wissender Mitarbeiter zu keinem Zeitpunkt kritisiert. Es ist bekannt, dass der Vorsitzende als geschäftsführender Vorstand seit dem Mai 2015 wöchentlich an sechs bis sieben Tagen mit Engagement und Hingabe um die Rettung und die Stabilisierung der betriebswirtschaftlichen Lage verbunden mit einer deutlichen Verbesserung des Angebotes an die Tafelgäste bemüht war. Der Vorsitzende hat dem Dresdner Tafel e. V. den Zeitaufwand seiner Tätigkeit nicht als Aufwandsentschädigung in Form von Verdienstausfall in Rechnung gestellt. Selbst unter der Annahme der Inrechnungstellung eines geringen monatlichen Verdienstausfalls in Höhe von 1000,00 EUR (18.000,00 EUR für 18 Monate) wäre der Gesamtbetrag der Darlehen nicht mehr existent.
  • die öffentlich inszenierten Vorwürfe der Involvierung des vom Vorsitzenden verantworteten Unternehmens berücksichtigen nicht, dass keine Vorteilsnahme stattgefunden hat und stets lediglich eine Zusammenfassung des tatsächlichen Aufwands dritter Unternehmen ohne Aufschlag (Gewinn) in Rechnung gestellt wurde.
  • die nächtlichen Vereins- und Mitarbeiterfeiern stehen den Tafelgrundsätzen nicht entgegen. Sie waren eine Gemeinschaftsentscheidung und Gemeinschaftsleistung und fanden in den letzten Monaten ohne ein Mittun des Vorsitzenden statt. Der Vorsitzende hatte klare Regelungen in Bezug auf den Umgang mit Überschüssen aufgestellt, die von den Veranstaltungs-GbRs in der Art von Mittelbeschaffungskörperschaften für gemeinnützige Zwecke erarbeitet worden sind: Aus der Summe freiwillig geleisteter Betriebskostenbeteiligung der Besucher und Erlösen aus Getränkeausgabe sind nur Aufwendungen/Investitionen für Miete und/oder Neuanschaffung von Technik (Licht- und Tontechnik, Nebel, etc.), Arbeitsmittel und Material für Dekoration und Ausstattung zulässig, unter der Bedingung, dass der Dresdner Tafel e. V ein Vorrecht auf einen Überschuss von mindestens 500,00 EUR besitzt sowie dass sich die Investitionen für Neuanschaffungen und der Überschuss für den Dresdner Tafel e. V. sich stets auf selber Höhe befinden. Das heißt, der Dresdner Tafel e. V. erhält aus einer Summe von Erlösen bis 500 EUR die gesamte Summe und erst darüberhinausgehende Erlöse können für Investitionen berücksichtigt werden. Wenn Neuanschaffungen in Höhe von 800 EUR getätigt werden sollen, dann erhält auch der Dresdner Tafel e. V. 800 EUR. Neuanschaffungen gehen in das Eigentum des Gesellschafters einer Veranstaltungs-GbR über, der sich mit dieser Neuanschaffung auch zukünftig ehrenamtlich an den nächtlichen Vereins- und Mitarbeiterfeiern beteiligen wird. Die Erwartungshaltung der paritätischen Überschussteilung über 500,00 EUR hinausgehend wird/wurde bei Solidaritätsveranstaltungen, die der Mittelbeschaffung für andere gemeinnützige Ziele dienen, beispielhaft der Unterstützung von Flüchtlingsinitiativen, nicht angewendet. Die Summe der Überschüsse aus freiwillig geleisteter Betriebskostenbeteiligung plus der Überschüsse aus Getränkeausgabe (also nach Abzug aller Aufwendungen, Investitionen, Solidaritätsspenden) wurden per Bareinzahlung an die Kasse geleistet und als Spende verbucht.
  • mit dem Rücktritt des Vorsitzenden würde die ersehnte Beruhigung nicht eintreten. Die Kritiker und Gegner der Tafelarbeit der Dresdner Tafel wie sie heute ist würden einfach weiter machen. Sie würden einen neuen Vorsitzenden nicht akzeptieren, der nicht mit einer großartig inszenierten Distanzierung von seinem Vorgänger startet und den Rückwärtsgang einlegt. Das können wir nicht unterstützen. Wir teilen das neue Selbstverständnis von Tafeln als soziale Einrichtungen bzw. Soziale Zentren im Kontext Sozialer und Kultureller Teilhabe am Leben in der Gesellschaft als inklusive Orte, wo Menschen nicht stigmatisiert, sondern aktiviert werden.
  • der Vorsitzende verzichtete in den letzten 18 Monaten darauf, allein irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Stattdessen war er immer darauf bedacht, alle Erfahrungsträger und Betroffene zu involvieren und hat uns, die wir uns nun für ihn einsetzen, darin befähigt, einvernehmliche Entscheidungen im Dialog dort vorbereiten und ggf. auch treffen zu können, wo es drauf ankommt. Der Vorsitzende befindet sich mit uns allen auf Augenhöhe. Nach den Satzungsänderungen am 23.11.2016 wird das Wort „Vorsitzender“ nur noch an genau einer Stelle in der dann geänderten Satzung vorkommen. Wir wissen, dass er auch dieses letzte Vorkommen bei einer der nächsten Mitgliederversammlungen per Satzungsänderung entfernen möchte. Welche andere als Vorsitzender gewählte Person würde diesen Schritt freiwillig gehen?